Portrait

20-jährig stieß der damals noch passionierte Motorradfahrer bei einer Tour durch Spanien
auf die Pferde: Arme, ausgemergelte Mietpferde boten ihm sein erstes Erlebnis im Sattel.
Sein Leben sollte dadurch in völlig neuen Bahnen verlaufen.
Aus dem Urlaub zurück, suchte er sich sofort eine Reitgelegenheit
und landete erneut in einem Mietstall.
Mit den ausgebufften Mietstallpferden sammelte Kurt im Laufe von zwei Jahren so viele Erfahrungen,
dass sie unter ihm keine Mätzchen mehr machten und ihre Untugenden auch bei anderen Reitern ablegten.
Dennoch merkte der Niedersachse, dass das in Punkto Reiten
nicht der Weisheit letzter Schluss war
und schaffte sich selber ein Pferd an: Arabermix Gitano wurde mangels Sattel zunächst "im Indianerstil" angeritten,
zog aber bald in ein Trakehnergestüt um. Um sich den dortigen Gewohnheiten etwas anzupassen,
legte sich Kurt gezwungenermaßen eine "Briefmarke" - einen klassischen englischen Sattel zu.

Zufällig stieß er schließlich auf
Literatur übers Westernreiten und ging völlig darin auf:
"Lockerer Jog am langen Zügel, entspanntes Pferd - das war genau das, was er sich immer unter Reiten vorgestellt hatte.
Er war total begeistert und besuchte alle Veranstaltungen rund um diese Reitweise, die eben erst in Deutschland Fuß fasste.
Während eines Wanderritts machte ein gewisser
Claus Penquitt auf dem Hof Station. Sie kamen ins Gespräch,
ritten gemeinsam aus und beschlossen, sich regelmässig zu treffen. Man arbeitete die Pferde miteinander,
korrigierte sich gegenseitig, las Bücher, besuchte Kurse bei
Dysli.
Gitanos Nachfolger Bacardi begleitete Kurt von den Anfängen des Westernreitens bis hin zu den ersten Turniererfahrungen.
Später wurde er ein bekanntes Showpferd und gewann noch mit 25 Jahren die Niedersächsische Landesmeisterschaft!

Um sich noch mehr den Pferden widmen zu können, nahm Kurt einen Job als Stallmeister in einer konventionellen Anlage in Eschede an,
wo er als Westernreiter jede Menge
frischen Wind in die vermufften Gänge brachte.
Unter ihm wurden keine Boxen beheizt und Pferde Sommer wie Winter eingedeckt.
Die Vierbeiner kamen sogar auf die Koppel!
Binnen zweier Jahre gab es in dem ehemaligen Nobelschuppen fast nur noch Freizeit- und Westernreiter.
Jetzt zog es auch Claus Penquitt samt seinem braunen Watani in den Stall und Kurt fing an,
sich
hauptberuflich mit Pferdeausbildung zu beschäftigen. Es gab eine strenge Arbeitstrennung:
Kurt war für Stalldienst und Beritt zuständig, Penquitt übernahm die Organisation sowie den Unterricht
und verpflegte die Feriengäste. Weil Penquitt krankheitsbedingt oft ausfiel, unterstützte ihn Kurt, wo er nur konnte.
Bei der
qualifizierten, engagierten und charmanten Herrenbetreuung weitete sich der Reiterhof Eschede schnell aus.
Gleichzeitig regnete es
Turniererfolge. Kurt Schulze und Claus Penquitt starteten und siegten in der jungen Westernszene ununterbrochen.
1985 wurden beide in verschiedenen Disziplinen
deutsche Meister, bei der EM belegte Penquitt '86 den 1., Schulze den 3., 4. und 6. Platz.

Gleichzeitig fand man den Weg zu
Richard Hinrichs: "Wir interessierten uns schon immer für eine
systematische Gymnastizierung der Pferde.
An unserem Equipment hatte er überraschenderweise gar nichts auszusetzen - aber dafür am
Schulterherein!
Die grobe Richtung stimmte schon, aber den Feinschliff in Bezug auf alle
barocken oder Hohe Schule Lektionen
hat er uns beiden mit unerbittlicher Konsequenz verpasst.
Es war eine schöne und harte Zeit!"
Aufgrund von Differenzen trennte sich das erfolgreiche Duo um '85 herum und
Kurt ging leise seine eigenen Wege.
Das gemeinsam mit Claus Penquitt entwickelte Übungssystem wurde durch ihn weiter verfeinert
und den Schülern entsprechend vermittelt.
Von den Korrekturpferden - Knochenarbeit für wenig Geld - wechselte Kurt schwerpunktmässig
ins angenehmere Anreit- und Unterrichtslager.

Ein portugiesisches Trainingspferd machte ihm so viel Spass, dass er auf die Suche nach einem eigenen Lusitano ging.
Bei Luis Valenca wurde er '93 fündig:
Honroso, einen Sohn des berühmten
Noveilheiro,
gewann später sogar Landesmeisterschaften im Westernriding und Superhorse.
Der Hof füllt sich überwiegend durch Mundpropaganda,
erhält aber auch von
Richard Hinrichs, Ruth Giffels oder Nathalie Penquitt Pferde und Schüler vermittelt.
Nicht immer im Westernsattel, aber überwiegend:
Die Reitweise ist nicht vom Equipment abhängig!
Zu Kurts Schülern gehören Reiter aus der konventionellen Dressur, aus dem Western- und dem Barocklager.
Auch auf den Kursen ist alles bunt gemischt.
Sein Ausbildungsprinzip soll die Basis für alles bieten und hat sich durchweg bewährt.
Systematische Gymnastizierung und ein einfaches und abwechslungsreiches Übungsprogramm für das reiterliche Fortkommen bieten den Schülern
auch genügend Hilfe für ein alleiniges Weiterarbeiten zu Hause. Vertrauen, Geduld und Einfühlungsvermögen
- darauf baut man hier auf und vermittelt dies auch auf den hervorragend ausgebildeten Schulpferden.
Kurt Schulzes Ideen sind so erfolgreich, dass sich inzwischen sogar schon Schüler damit selbstständig gemacht haben und ebenso unterrichten.
Er hat damit - im Gegensatz zu vielen anderen Trainern überhaupt keine Probleme: "
Wenn etwas kopiert wird heisst das nur, dass es gut ist!